Alles ist Erleuchtet – Jonathan Safran Foer


alles-ist-erleuchtet-jonathan-safran-foerInhalt

Erinnerungen sind das, was uns ausmacht, und Erinnerungen sind das, was der amerikanische „Held“, Jonathan Safran Foer, auf seiner Reise durch die Ukraine zu suchen, finden und erschaffen hofft. Zusammen mit seinem ukrainischen Dolmetscher Alex, dessen blindem Großvater als Fahrer und der verrückten Hundedame Sammy Davis jr. jr. macht er sich auf den Weg die Frau zu finden, die im 2. Weltkrieg seinen Großvater rettete.

Meine Meinung

“Sie war ein Genie der Traurigkeit: Sie badete in Traurigkeit, sie entwirrte die zahlreichen Stränge der Traurigkeit, sie kostete alle zarten Nuancen der Traurigkeit aus. Sie war ein Prisma, durch dass die Traurigkeit in ihr undendlich breit gefächertes Spektrum zerlegt werden konnte.”

Was Jonathan Safran Foer da geschaffen hat, gehört zu diesen Dingen, die man liebt oder hasst. Ich gehöre zur ersten Gruppe. Zu sagen, dass es mich von der ersten Seite an gefesselt hätte, wäre gelogen, denn es dauert, sich in dieses Buch hinein zu finden. Es ist wie eine Person, die man erst kennenlernen muss um sie zu verstehen. Eine Person mit einer Gegenwart, einer Vergangenheit und Erinnerungen, die es vielleicht gar nicht gibt aber geben sollte.

Foers Sprache ist in großen Teilen des Buches – auch wenn es auf Deutsch übersetzt wurde – auf ihre Art einzigartig. Alex, der Dolmetscher, verwendet Sprache ohne Vorurteil, ohne Erinnerung und einfach aus dem Bauch heraus. Das macht seine Aussagen manchmal witziger, manchmal politisch unkorrekt und manchmal einfach wahrer.

Ob man es nun liebt oder hasst. Zuende lesen sollte man es in jedem Fall. Denn vor allem das letzte Drittel des Buches wird mir in Erinnerung bleiben.

In einem Satz

Ehrlich, witzig, skuril und grausam – absolut lesenswert!

5/5 Leseratten

5 von 5

Details

Roman
384 Seiten
FISCHER Taschenbuch
ISBN 978-3-596-15628-3
Cover © Fischerverlage

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Der Biograf von Brooklyn – Boris Fishman


Der Biograf von Brooklyn von Boris FishmanInhalt

Eigentlich hatte Slava versucht seiner schrecklich schrulligen aus der Sowjetunion nach Brooklyn emigrierten Familie zu entkommen. Kaum ein paar U-Bahn Stationen entfernt fühlt sich der junge Journalist als wäre er auf einem anderen Planeten. Erst der Tod seiner Großmutter bringt ihn zurück in eine familiäre und doch grotesk fremde Welt. Unweigerlich wird Slava zum Biografen seiner Familie, als sein Großvater die fixe Idee hat, die Kriegserlebnisse seiner verstorbenen Frau zu nutzen um Schadensanspruch an Deutschland zu stellen. Slava wird immer tiefer hinein gezogen in eine Geschichte, die ihn nicht nur lehrt was Familie ist, sondern auch wer er, Slava Gelman, wirklich ist.

Meine Meinung

Das Buch wurde mir vom Blessing Verlag als Rezensionsexemplar angeboten und nach dem Durchlesen des Klappentextes hatte sich bei mir genug Neugier geregt um mir ein Exemplar zuschicken zu lassen. Ich muss zugeben, dass Buch ist anders als ich erwartet hatte.

Am Anfang muss man sich vor allem an den Schreibstil gewöhnen. Aus Slavas Sicht geschrieben, muss das Buch sich dem Schreib- und Denkstil des Journalisten beugen. Dabei sind kleine Einschübe über Grammatik und Satzbau aber auch Gedankenfetzen normal. Zuerst hat es mich etwas gestört – der neue Stil war unbequem, wie ein neuer Schuh. Aber je weiter ich las, desto mehr nahm ich Slava an und irgendwann war sein Stil einfach notwendig.
Die Figuren des Buchs sind perfekt unperfekt und stoßen mit ihren Ecken und Kanten aneinander so wie wir es alle tun. Schnell schließt man einige von ihnen ins Herz, während andere einem unsympathisch sind.

Fishman hat einen erstklassigen Debut-Roman geliefert. Die Welt, die er malt kommt einem fremd und trotzdem seltsam vertraut vor. Familie, Freunde, Liebe und Selbstfindung – das sind Dinge, die jeder erlebt und kennt. Trotzdem schafft Fishman es sie aufzunehmen und zu formen, ohne dass sie an Farbe oder Kraft verlieren.

In einem Satz

Ein eindrucksvoller Debut-Roman, der Hunger auf mehr macht.

Details

erschienen:. 02.11.2015
Foto: © Blessing Verlag
383 Seiten
19,99€
ISBN: 978-3-89667-551-4

5 von 5

Maze Runner – Trilogie von James Dashner


Maze Runner Trilogie von James DashnerInhalt

Er weiß nur drei Dinge: es ist dunkel, er hat Angst und sein Name ist Thomas. Über ihm öffnet sich eine Luke und grelles Sonnenlicht strahlt ihm entgegen. Völlig verwirrt findet sich Thomas auf einer Wiese wieder, umgeben von 50 anderen Jungs und vier massiven Steinwänden. Das Labyrinth – so nennen die anderen Lichter es. Ein Irrgarten voller Heimtücke und Tod. Aber das schlimmste ist, dass es keinen Ausweg hat.

Meine Meinung

Ich muss gestehen, dass ich auf das erste Buch der Trilogie erst durch den Kinofilm aufmerksam geworden bin. Die ganze Idee der Geschichte, die Charaktere –  alles hat mich begeistert und so erstand ich gleich die ganze Reihe. Ich hatte erwartet, dass die Bücher gut werden. Was ich aber nicht erwartet hatte war eine Geschichte mit solchem Wandlungspotential. Alles beginnt an einer Stelle und läuft dann in unerwartete Richtungen über Schleichwege, die man einfach übersehen hat. Thomas, der Protagonist der ganzen Geschichte, macht diese ganzen Veränderungen natürlich mit. Dashner hat es geschafft seine Figuren mit einer Tiefe auszustatten, die nicht künstlich sondern nachvollziehbar wirkt.

Vom Verlag wird die Reihe für Leser ab 13 Jahren empfohlen. Allerdings finde ich, dass einige Stellen doch sehr brutal sind und vielleicht für schwache Gemüter etwas zu viel sind.

In einem Satz

Dashner schickt den Leser in ein Abenteuer das zugleich aufregend und brutal ehrlich ist.

Details

ab 13 Jahren
Foto: © Chicken House Verlag
1520 Seiten
29,99 € im Schuber
ISBN 978-3-551-52068-5

4 von 5

Die lange Erde – Terry Pratchett, Stephen Baxter (Teil 1)


Die Lange Erde von Stephen Baxter(engl. Originaltitel "The long earth")
5 von 5klein
Inhalt

Es braucht nicht viel: Ein paar Drähte, ein kleiner Kasten…und eine Kartoffel –
und auf einmal hat sich alles verändert. Ein Schritt nach Ost oder West und man ist in der langen Erde. In einer neuen Welt, unbevölkert, unberührt und voller Möglichkeiten. Doch was passiert mit der Welt die man zurücklässt und was erwartet dich in der Neuen?

Meine Meinung

Es ist ein besonders Buch, das diese zwei unglaublichen Autoren da geschaffen haben. Es kommt einem beinahe wie ein Gedankenexperiment vor, wie ein geistiger Spielplatz, den man auskundschaften möchte. Obwohl einige Erzählstränge verfolgt werden, kommt die Geschichte doch immer wieder auf den Protagonisten Joshua Valiente zurück, der – zusammen mit Lobsang – die lange Erde erkunden soll.

Ich habe eine kleine Schwäche für Zukunfts/Dystopie/Sci-fi Bücher und da passt dieses Buch natürlich perfekt rein. Besonders gut gefällt mir, dass an das Phänomen so pragmatisch und realistisch angegangen wird und nicht herumgesponnen, sondern nachgedacht wird. Teilweise wirken die Figuren etwas flach, sind aber sonst liebevoll gestaltet. Erzählerisch hab ich nichts zu beanstanden – die zwei hatten ja in ihren unzähligen Büchern schon genug Zeit zu üben.

Empfehlen würde ich das Buch ab 16, wahrscheinlich wäre das jüngere Publikum schnell gelangweilt von dem Buch.

In einem Satz

Futuristisch und frisch – zwei Autoren, die eine neue Welt erschaffen.

Details

400 Seiten, ab 16 Jahren
Foto: © Randomhouse

Der Ozean am Ende der Straße – Neil Gaiman


4 von 5klein
Inhalt
Lettie Hempstock war das komischtes Mädchen, dass ich je getroffen hatte. 
Sie behauptete, dass der Ententeich hinter ihrem Bauernhof sei ein Ozean, 
der Weg zu einer anderen Welt. Damals dachte ich das wäre Quatsch, aber 
heute weiß ich es. Es ist alles wahr.
Meine Meinung
Dieses Buch ist definitiv nicht für jeden etwas. Mein Vater hat es gehasst, ich 
hab es geliebt. Liegt vielleicht auch dran, dass ich auf Märchen stehe. 

Am Anfang war alles noch normal. Normale Charaktere, normale Handlung. 
Aber dann kam der Moment in dem die Märchen begannen. 
Vom Stil der Märchen her, scheinen die Gebrüder Grimm mit Japanischen 
Manga Zeichnern zusammengearbeitet und eine Gruselgeschichte zustande
gebracht haben. Das klingt vielleicht komisch, ist aber die beste Erklärung, 
die mir einfällt. 

Es ist genauso schön wie unglaublich und gruselig. Und trotzdem macht es 
Sinn. Das Buch schafft eine Brücke zwischen Fantasie und Wirklichkeit auf
eine Weise, die ich bisher selten gelesen habe. 

Das Buch hat etwas von einem Traum, aber nicht unbedingt von einem 
guten. Aber es schafft es gleichzeitig zu bezaubern und gruseln.
In einem Satz
Ein einzigartiges Buch, das zumindest mich begeistert.
Details

238 Seite, ab 16 Jahren
Foto: ©Eichborn

Hüter der Erinnerung – Lois Lowry


(engl. Originaltitel „The Giver“)hueter_der_erinnerung4 von 5klein

Dieses Buch ist als Film erschienen, aber zumindest dem Trailer nach zu urteilen ist der Film von der Handlung her ganz anders.

Inhalt

Jonas lebt in einer perfekten Welt. Schmerz oder Angst existieren nur noch in Geschichten. Alles ist gleich, alles ist geregelt und alles ist gut. Doch es kommt der Punkt an dem Jonas sich entscheiden muss ob diese Welt die Opfer wert ist. Opfer namens Liebe, Familie und Gefühl.

Meine Meinung

Wer meinen Blog schon etwas durchstöbert hat, wird sehen, dass ich eine kleine Schwäche für Dystopien hab. Allerdings kann man dieses Buch schon als Großvater modern Werke wie „Hungergames“ oder „Divergent“ betiteln.

Das Buch ist in seiner Erzählweise manchmal sehr eigen, genauso wie die Geschichte die es erzählt. Genauso wie die Lebensweise der Gemeinschaft wirkt der Stil manchmal etwas sachlich und kalt. Ich fand diese Erzählweise oft erfrischend anders – es gab mir die Möglichkeit die Ereignisse unverblümt zu sehen. Gleichzeitig war das ganze sehr persönlich, da Jonas die Geschichte erzählt. Genauso wie seine Sicht auf die Welt sich änderte, änderte sich auf meine.
Fragen nach dem Mensch sein und dem Wert des Lebens tauchen immer wieder auf, und zusammen mit Jonas macht man sich auf die Suche nach Antworten.
In diesem Buch steht oft nicht die Handlung im Vordergrund, sondern ihre Auswirkung auf Personen der Geschichte.

Das Buch ist sicher nicht für jeden etwas, aber mir hat es Gefallen und wenn man mal etwas Zeit hat, kann man es sich ruhig mal ansehen.

In einem Satz

Ungewohnt und teilweise sehr sachlich, aber definitiv ein Lese-Muss.

Details

Zu empfehlen ab 13 Jahren.
256 Seiten
Foto: ©dtv

[Buch] Die Erben von Atlantis von Kevin Emerson


die erben von atlantisHeyne fliegt hat mir dieses Buch dankenswerterweise als Rezensionsexemplar angeboten und ich habe es verschlungen.

Genre

Eine Dystopie vom feinsten, die sich nicht nur mit unserem Umgang mit der Natur auseinandersetzt, sondern auch andere Werte diskutiert wie Freundschaft, Vertrauen und Verantwortung.

Was passiert?

Owen Parker lebt in einer Welt, die teuer für die Klimaerwärmung bezahlen musste. Vertrieben von Gefahren wie dem Sonnenlicht, muss die Menschheit jetzt unterirdisch oder unter Kuppeln hausen. Owen hält sich in dieser Welt für einen völlig durchschnittlichen Teenager, doch als er in ein Feriencamp fährt, ändert sich alles. Bei einem Schwimmwettkampf, verliert er die Kontrolle und muss erkennen, dass er vielleicht nicht so normal ist, wie er immer dachte.

Meine MeinungLeseproben Icon

Spannend, mitreißend und fesselnd. Oft ist es so, dass Dystopien vor allem für Jugendliche oder junge Erwachsene geschrieben wurden. Es ist nicht einfach sozialkritische Themen mithilfe von Büchern zu verarbeiten. Schon gar nicht, wenn es dabei um Probleme geht, die einen eines Tages selbst betreffen könnten. Doch Emerson schafft es mit diesem Buch nicht nur das Interesse am Thema Klimawandel zu wecken, sondern auch auf aufregende und spannende Weise die Konsequenzen unseres Verhaltens zu besprechen. Dabei ist Owen als Hauptfigur besonders gut geeignet. Es ist sehr einfach sich mit ihm zu identifizieren und da die Geschichte sich vor allem um ihn dreht, entdeckt man die Welt, wie sie sein könnte, zusammen mit ihm.

Aber nicht nur das Zukunftsszenario das Emerson malt fesselt, sondern auch die Charaktere des Buchs. Vor allem die wichtigen Figuren des Buchs wurden mit sehr viel Liebe zum Detail kreiert und weisen oft eine realistische Tiefe auf, die die Identifikation mit ihnen sehr einfach macht.

Meine einzige Kritik an dieser Dystopie übe ich am Handlungsstrang. Wie der Titel bereits erahnen lässt, spielt die mystische und vor allem versunkene Stadt Atlantis eine Rolle und bringt ein wenig „Zauber“ in die Geschichte. Zu weilen hatte ich das Gefühl, als würde der Autor diesen Zauber als Ausrede benutzen, wenn die Handlung ein wenig an Tiefe verlor.

In einem Satz…

Eine gelungene Dystopie, die sowohl real, als auch mystisch ist und uns in eine andere Welt entführt.

4 von 5 Leseratten

4 von 5

Deutsche Erstausgabe
Ab 14 Jahren
Paperback, Broschur, 432 Seiten, 13,5 x 20,6 cm
ISBN: 978-3-453-31528-0
€ 12,99 [D] | € 13,40 [A] | CHF 18,90* (* empf. VK-Preis)
Verlag/Bildquelle: Heyne